Wer durch die Straße Fiefstücken in der Nähe des Stadtparks geht, merkt schnell: Dieses Haus ist kein gewöhnliches. Die leuchtend gelben und blauen Balkone sind schon aus der Ferne zu erkennen. Auf einem begrünten Grundstück mit barrierearmem Zugang bietet die Wohnanlage im Fiefstücken älteren Menschen seit Jahrzehnten ein Zuhause. Nun wird hier ein neues Kapitel aufgeschlagen. Die buchdrucker haben das Gebäude übernommen.
Das Besondere daran: Der bisherige Eigentümer, der Verein Altenheim Winterhude e.V., wollte das Haus bewusst nicht zum Höchstpreis verkaufen. Gesucht wurde stattdessen ein sozialer Vermieter, der die Geschichte und den Charakter der Anlage bewahrt.
Denn das Haus blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Ihre Wurzeln reichen bis in die 1950er-Jahre. Damals wollte der Winterhuder Bürgerverein Wohnraum für ältere, bedürftige Menschen schaffen und gründete den Altenheim Winterhude e.V. Finanziert wurde das Projekt mit viel ehrenamtlichem Engagement: durch Spenden, ein gestiftetes Grundstück und Bauleistungen zum Selbstkostenpreis. Im Juli 1959 wurde der Grundstein gelegt, bereits Ende desselben Jahres zogen die ersten Senioren ein.
Auch heute noch ist die Wohnanlage ein Ort, der für soziales Engagement, bezahlbares Wohnen und nachbarschaftlichen Zusammenhalt steht. Davon berichtet auch Michael Wagner. Der 73-Jährige lebt seit fünf Jahren im Haus und ist als Hausmeister ein wichtiger Anker für die Bewohnerinnen und Bewohner. Er kennt die Abläufe im Haus und hat den Übergang zu den buchdruckern durchweg positiv erlebt: „Die Verwaltung arbeitet sehr professionell und ich bekomme immer schnell Rückmeldungen von den Mitarbeitenden, wenn es etwas abzustimmen gibt.“
Im Haus gibt es 23 Wohnungen, überwiegend mit ein bis zwei Zimmern und Größen zwischen 25 und 70 Quadratmetern. „Wir sind aber kein Altersheim und auch kein betreutes Wohnen“, so Michael Wagner. „Hier sind alle rüstig und können sich selbst versorgen.“ Die Hausgemeinschaft sei jedoch enger verbunden als in vielen anderen Wohnanlagen. „Wir kennen uns, helfen uns im Alltag und feiern auch gern zusammen“, erzählt der Hausmeister. Im Gemeinschaftsraum unter dem Dach finden Feste und größere Kaffeerunden statt, auch zu Ostern und im Advent kommt die Hausgemeinschaft zusammen. „Und im Sommer grillen wir im Garten unter unserem Pavillon.“ Früher hätten sich die Frauen zum Nähen, Stricken und zu Kaffeekränzchen getroffen, berichtet Michael Wagner. Ein altes Album auf dem Dachboden erinnert noch an viele Momente aus dieser Zeit.
Der Standort der Wohnanlage trägt zusätzlich zur Lebensqualität bei. Das große Grundstück bietet Raum für Begegnung und der Stadtpark liegt gleich um die Ecke. Einige Bewohner kümmern sich noch selbst um den Garten.
Auch baulich ist die Anlage gut für ältere Menschen geeignet. Der Zugang ist barrierearm, es gibt eine Rampe für Rollatoren und einen Aufzug. Einige Wohnungen wurden im Laufe der Zeit zusammengelegt, die meisten sind innen bereits modernisiert. Nun frischen die buchdrucker die Gemeinschaftsflächen auf: Treppenhaus und Eingangsbereich werden erneuert, Decken und Wände gestrichen, neue Bodenbeläge verlegt. Einen Teil der Arbeiten übernimmt der Verein Mook wat e.V., der langzeitarbeitslosen Menschen den Wiedereinstieg in die Arbeit ermöglicht. Michael Wagner hat mit dem Team gute Erfahrungen gemacht: „Sie sind verlässlich und machen einen guten Job.“
Für die buchdrucker ist der Kauf weit mehr als eine Bestandserweiterung. Mit Fiefstücken 24 bleibt ein Haus erhalten, dass seit mehr als sechs Jahrzehnten für soziale Verantwortung steht. Die dort lebenden Mieterinnen und Mieter können weiterhin in ihren bezahlbaren Wohnungen bleiben. Ob sie Mitglieder der Genossenschaft werden möchten, ist ihnen freigestellt. Für sie bedeutet das vor allem eins: Verlässlichkeit und ein sicheres Zuhause.
Historisches Foto (Archiv Altenheim Winterhude e.V.):
Am 14. Juli 1959 wurde der Grundstein gelegt. Die beteiligten Baufirmen leisteten damals einen Teil ihrer Arbeit unentgeltlich. Die Architekten Herbert Großner und Hans Stich verzichteten gänzlich auf ihr Honorar.
Fotos: Michael Wagner
Baugenossenschaft der Buchdrucker eG
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